Wenn ein Schreibtisch steht, messen wir nach. In der Regel weicht die Platte dann drei bis fünf Zentimeter von dem Wert ab, der im Katalog steht. Schon drei Zentimeter liegen außerhalb dessen, was die Norm einem festen Schreibtisch zugesteht: 740 Millimeter, 20 nach oben oder unten. Die richtige Schreibtischhöhe ist deshalb zuerst eine Frage der Messung am aufgebauten Tisch und erst danach eine Frage des Katalogs.
Die Verordnung nennt keine Zentimeter
Wer in der Arbeitsstättenverordnung nach einer Tischhöhe sucht, findet keine. Anhang 6 verlangt, dass die «Grundsätze der Ergonomie» auf Bildschirmarbeitsplätze angewendet werden, dass «ausreichend Raum für wechselnde Arbeitshaltungen und -bewegungen» vorhanden ist und dass die Fläche vor der Tastatur das Auflegen der Handballen erlaubt. Für die Tischhöhe zählt ein weiterer Satz: Auf Wunsch der Beschäftigten stellt der Arbeitgeber eine Fußstütze bereit, wenn sich eine ergonomisch günstige Haltung anders nicht erreichen lässt.
In Italien steht die Spanne von 70 bis 80 Zentimetern im Gesetz selbst. In Deutschland stehen die Zahlen woanders.
Sie finden sich in der DGUV Information 215-410, dem Leitfaden für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze, den die Unfallversicherung gemeinsam mit der BAuA herausgibt. Tabelle 10 nennt für einen festen Tisch, an dem gesessen wird, 740 Millimeter mit einer Toleranz von 20, denselben Wert wie die DIN EN 527-1. Höhenverstellbare Tische müssen im Sitzen mindestens den Bereich von 650 bis 850 Millimetern abdecken, im Stehen 950 bis 1250, für beides zusammen 650 bis 1250. Die Arbeitsfläche soll mindestens 1600 mal 800 Millimeter messen; mit 1200 Millimetern Breite kommt nur aus, wer an einem einzigen Bildschirm arbeitet, wenig Papier bewegt und keine wechselnden Tätigkeiten hat. Über allen diesen Zahlen steht ein Satz des Leitfadens, der sich ohne Zollstock prüfen lässt: Die Arbeitshöhe soll bei locker hängenden Oberarmen etwa in Ellenbogenhöhe liegen.
Für wen die 74 Zentimeter gedacht sind
Die DGUV sagt ausdrücklich, für welche Menschen ihre Maße gelten. In Deutschland sollen Arbeitsmittel für Körperhöhen von 1510 bis 1910 Millimetern geeignet sein; wer darunter oder darüber liegt, braucht nach dem Leitfaden «individuelle Lösungen für ihre Arbeitsmittel». Nach den Schätzungen der NCD Risk Factor Collaboration sind Männer des Jahrgangs 1996 in Deutschland im Mittel 179,9 Zentimeter groß, Frauen 165,9; beim Jahrgang 1896 waren es 167,2 und 156,0. Der Durchschnitt sitzt also bequem in der Mitte der Spanne. Die obere Grenze liegt aber nur gut elf Zentimeter über dem mittleren Mann, und wer sie überschreitet, sitzt an einem Tisch, der nicht für ihn gerechnet wurde.
Wir hatten einen Kunden, der sehr groß war. Er hat den Schreibtisch gewechselt, und am Ende hat der Hersteller ihm den Tisch nach Maß gebaut.
Innerhalb der Spanne bleibt beim festen Tisch vor allem ein Hebel. Die DGUV nennt ihn nur «bedingt anpassbar, ausschließlich über Stuhl», individuell allenfalls über Hilfsmittel wie eine Fußstütze. Wer beim Einkauf am Stuhl spart, nimmt dem Arbeitsplatz also seine wichtigste Stellschraube. Gute Bürodrehstühle gehören darum in dasselbe Angebot wie der Tisch.
Der Raum unter der Platte
Über die Höhe wird viel gesprochen, über den Beinraum kaum, obwohl er im Alltag genauso zählt. Die DIN EN 527-1 verlangt eine Beinraumtiefe von mindestens 800 Millimetern und begrenzt die Stärke der Tischplatte an der Vorderkante eines festen Tisches auf 70 Millimeter; bei gleicher Tischhöhe geht jeder Millimeter Plattenstärke vom Platz über den Knien ab. Die DGUV ergänzt die Breite: Sie darf 850 Millimeter nicht unterschreiten, empfohlen sind 1200 und mehr. Und der Beinraum darf nicht durch Unterbauten oder Stützelemente eingeengt werden, ausdrücklich auch nicht durch deren Fußausleger.
Bei Chefschreibtischen lohnt der Blick ins Datenblatt doppelt, denn dort ändert sich die Höhe von Modell zu Modell.
Was ins Leistungsverzeichnis gehört
Der typische Fehler auf der Baustelle ist zugleich der am leichtesten vermeidbare: Die Platte wird nicht ins Wasser gebracht, die Stellfüße bleiben, wie sie aus dem Karton kommen. Fünf Zentimeter Abweichung bedeuten bei einem Tisch von 740 Millimetern 690 oder 790, weit außerhalb der Toleranz. Eine Toleranz von zwei Zentimetern hilft niemandem, wenn nach dem Aufbau keiner nachmisst. Wer ausschreibt, verlangt deshalb neben den Katalogmaßen die Höhe nach der Montage, gemessen an der ausgerichteten Platte. Die Gefährdungsbeurteilung nach § 3 der Arbeitsstättenverordnung muss ohnehin die physischen Belastungen am Bildschirmarbeitsplatz berücksichtigen, und ein Protokoll der gemessenen Tischhöhen gibt ihr eine belastbare Grundlage.
Was die Fehltage zeigen und was nicht
Nach einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK gingen 2024 bei den AOK-Versicherten 19,8 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage auf Muskel-Skelett-Erkrankungen zurück, obwohl sie nur 13,7 Prozent der Fälle ausmachten. Ein solcher Ausfall dauert also länger als der Durchschnitt. Die Zahl gilt für alle Branchen, und wer sie dem Schreibtisch zuschreibt, macht es sich zu leicht. Die europäische Arbeitsschutzagentur EU-OSHA hält in ihrem Bericht von 2019 sogar fest, dass sich aus den Daten nicht bestätigen lässt, dass Sitzen für sich genommen das Risiko solcher Erkrankungen erhöht; als Risiko für Herz und Kreislauf, für Diabetes und Krebs nennt sie eine sitzende Lebensweise trotzdem. Entscheidend bleibt, wie gut Tisch und Stuhl zu dem Menschen passen, der dort jeden Tag arbeitet.
Auch der höhenverstellbare Tisch löst das nur, wenn er benutzt wird. Die DGUV formuliert es genau: Er wirkt sich günstig aus, «wenn durch die Bereitschaft zur Nutzung der Höhenverstellung die Sitz-Steh-Dynamik gefördert wird». Was Norm und Verordnung dazu im Einzelnen sagen, steht in unserem Beitrag über den Sitz-Steh-Tisch. Beim festen Tisch bleibt die Arbeit dieselbe: ergonomische Schreibtische nach dem Menschen auswählen, der daran sitzt, und nach dem Aufbau nachmessen.
Kurz beantwortet
Wie hoch ist ein normaler Büroschreibtisch? Ein fester Schreibtisch für sitzende Tätigkeit hat nach DIN EN 527-1 und DGUV Information 215-410 eine Höhe von 740 Millimetern mit einer Toleranz von 20 Millimetern.
Schreibt die Arbeitsstättenverordnung eine Tischhöhe vor? Nein. Anhang 6 der ArbStättV verlangt ergonomische Arbeitsplätze, Raum für wechselnde Haltungen und auf Wunsch eine Fußstütze; die Maße stehen in der DGUV Information 215-410.
Wie viel Beinraum braucht ein Schreibtisch? Mindestens 800 Millimeter Tiefe nach DIN EN 527-1 und mindestens 850 Millimeter Breite nach DGUV; empfohlen sind 1200 Millimeter Breite.
Was gilt für sehr große oder sehr kleine Menschen? Die DGUV legt die Arbeitsmittel für Körperhöhen von 1510 bis 1910 Millimetern aus. Außerhalb dieses Bereichs sind individuelle Lösungen nötig, etwa ein höhenverstellbarer oder ein nach Maß gefertigter Tisch.